Unser Mitglied Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner bekommen die Bürgermedaille der Stadt Laupheim

LAUPHEIM - Mit der Bürgermedaille sind am Sonntag Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner ausgezeichnet worden. Die Stadt würdigt damit das herausragende Engagement der beiden für die Aufarbeitung und Bewahrung der jüdischen Geschichte Laupheims. Das heutige Laupheim zeichne sich durch Toleranz und Weltoffenheit aus, sagte Oberbürgermeister Rainer Kapellen vor 250 Gästen im Kulturhaus in seiner Laudatio. Rolf Emmerich und Yitzhak Heinrich Steiner – „wir brauchen Menschen wie sie“ – hätten großen Verdienst daran, auch im Hinblick auf die Gegenwart und Zukunft. „Unsere Jugendlichen wissen vom Schicksal der jüdischen Gemeinde; sie wissen, welches Leid Diktaturen, Entrechtung und Verfolgung über die Menschen bringen“, sagte Kapellen. Dieses Wissen sei wichtig, um antisemitischen und rassistischen Parolen zu wehren, und nicht von ungefähr gelinge in Laupheim aktuell ein friedliches Miteinander mit Flüchtlingen.

Sinn für Gerechtigkeit Entscheidende Anstöße, sich des jüdischen Erbes zu entsinnen, gab seit den 60er-Jahren Rolf Emmerich (77). Der OB nannte ihn einen Pionier der deutsch-jüdischen Versöhnung, geleitet von einem unbeugsamen Sinn für Gerechtigkeit. Emmerich knüpfte Kontakte zu ehemaligen jüdischen Laupheimern und ihren Nachkommen; er pflegte Korrespondenzen, recherchierte, hielt Vorträge, publizierte, bewahrte und edierte kostbares jüdisches Liedgut und hat immer wieder durch die Schilderung von Einzelschicksalen den Opfern Gesicht und Namen gegeben. Unvergessen sein Einsatz für das Museum zur Geschichte von Christen und Juden; zahlreiche Exponate haben dank seiner Verbindungen den Weg in die Dauerausstellung gefunden. 2012 erhielt der langjährige Stadt- und Kreisrat der SPD den renommierten German Jewish History Award der Obermayer-Stiftung.

Als einen Glücksfall für die Stadt bezeichnete Rainer Kapellen das Wirken des promovierten Juristen Yitzhak Heinrich Steiner (84): „Ohne ihn wären viele Schätze der Erinnerung für immer verloren.“ Großzügige Schenkungen aus dem Familiennachlass seien ihm zu danken. Steiner sei ein Brückenbauer zwischen Deutschland und Israel, der für Austausch, Toleranz und gegenseitige Achtung stehe. Der Erhalt des ehemaligen Leichenhauses am jüdischen Friedhof war ihm ein Herzensanliegen, für das er Spenden sammelte. Als das Haus 2014 als Gedenk- und Dokumentationsstätte eröffnet wurde, bekannte der 1931 in Laupheim Geborene: „Die Erinnerung an die Wurzeln lässt sich nicht auslöschen, durch kein Regime und keine Missetat.“ In seiner Dankrede sagte Steiner, vor Kurzem mit dem Goldenen Laubü der Laupheimer Bürgerstiftung ausgezeichnet, „dass ich nicht allein hier stehe, sondern als Vertreter vieler Generationen meiner Familie, die hier gewirkt haben“. Nach der dunklen Periode der deutschen Geschichte habe man sich wieder auf humanitäre Werte besonnen – „so hat jedes Schlechte etwas Gutes“. Er selbst fühle sich „sozusagen als Laupheimer ,Weltbürger’“, sagte Steiner – „nach fast 30 Jahren in der Schweiz und 50 Jahren in Israel hat meine Verbindung zu Laupheim eine neue Dimension erhalten, die vom Beschluss des Gemeinderats, mich zu ehren, bekräftigt worden ist. Das berührt mich sehr.“

Rolf Emmerich blendete in seiner Dankrede zurück in den Frühsommer 1965, als seine Familie aus Hessen kommend in Laupheim eintraf. Damals wäre es ihnen unvorstellbar gewesen, „dass wir hier so heimisch und verwurzelt werden könnten“. In den 70er-Jahren habe er bewegende Begegnungen mit jüdischen Laupheimern gehabt, darunter Heinrich Steiners Vater Helmut – „er hat mich immer ermutigt, noch mehr aus der Geschichte aufzuspüren“.  Oft sei er gefragt worden, warum er sich so stark ehrenamtlich engagiere. „Weil ich Projekte bewegen konnte, die mir wichtig waren und sind“, erklärte Emmerich und nannte beispielhaft die Einrichtung des CTA-Kollegs an der Kilian-von-Steiner-Schule 1985 und des Museums. Es sei ein großes Glück für ihn, dass seine Frau Hedwig und die Familie ihn stets bei seinem Tun unterstützten.


Roland Ray

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