Donnerstag, 9.7. 2015: Kein Frieden für Israel?


Trotz falscher Angaben in der SWP (20 statt 19 Uhr) waren etwa 80 BesucherInnen  im Festsaal der Synagoge, um einen hoch interessanten, kompetenten und differenzierten Vortag  von Dr. Matthias Küntzel, Politikwissenschaftler und Historiker aus Hamburg zu erleben. Das Thema war: Kein Frieden für Israel? Über Geschichte und Gegenwart des Nahostkonflikts.
Einleitend schilderte Herr Küntzel den Gazakrieg vor einem Jahr, die traumatischen Erfahrungen von Palästinensern und Israelis und die einseitig israelfeindliche Berichterstattung darüber in unseren Medien. Man wolle hier nicht verstehen, dass Israel das Leben schützt und die Hamas den Tod von Zivilisten gerade sucht.
Danach erklärte Küntzel die Ideologie der Islamisten: Gottesstaat mit Scharia - (Märtyrer-)Tod wichtiger als das Leben -  Antisemitismus. Dieser stamme z.T. aus dem Koran, sei aber vor allem aus Europa importiert, konkret aus dem Nationalsozialismus. Dies geschah durch die Muslimbrüder in Ägypten und wurde dann zunächst als Judenhass und seit 1948 als Israelhass überall im Nahen Osten verbreitet.
Die größte Gefahr gehe, so Küntzel, von der Atomrüstung des Iran aus. Die Bedrohung der Welt durch die Atombombe werde heute oft verharmlost. Die Gespräche in Wien würden scheitern, weil das Regime im Iran kein wirkliches Entgegenkommen zeige. Darin sei er einig mit Netanjahu, den er in anderen Punkten kritisierte. Er warnte vor einem Appeasment mit Iran, genährt aus Angst und Wunschdenken. Er wandte sich auch gegen die geplante Reise von Sigmar Gabriel mit Wirtschaftsvertretern in den Iran, die es zu verhindern gelte.
In der etwa einstündigen engagierten Diskussion nach dem Vortrag beantwortete Küntzel viele Fragen mit großem historischem Wissen und überzeugenden Argumenten. Den Grund dafür, dass viele Deutsche zur Zeit Israel als aggressiv und friedensfeindlich ablehnen, sah er darin, dass der Holocaust immer noch nachwirke, z.B. wenn viele die Aktionen der Israelis gegenüber Palästinensern mit dem Vorgehen der Nazis gegen Juden vergleichen. Zur Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern erzählte er ein Beispiel, wie Vertreter beider eine junge gemischte Fußballmannschaft zusammenstellten und darauf die Fatah im Westjordanland das Projekt als unislamisch verurteilte und beendete.
Küntzel bekennt sich zur 2 Staaten-Lösung. Er sieht in der Siedlungspolitik Israels kein Problem, wenn die Siedler, die dann nicht zurück nach Israel wollen, im Palästinenserstaat gleichberechtigt leben können, so wie auch jetzt die Palästinenser im Staat Israel. Gegen die Gefahr des Islamismus weltweit braucht es nach seiner Meinung ein starkes demokratisches Israel. Der Kampf gegen den islamistischen Terror gelinge nur, wenn der Westen einig zusammenstehe und seine Werte verteidige.

 

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