9. November 2014: Gedenkveranstaltung auf dem Ulmer Weinhof



In vielen Orten in Deutschland wurde an diesem 9. November der 25. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Auch Schirmherr Ivo Gönner drückte seine Freude darüber aus unterstrich aber, für wie wichtig er es hielt, dass wir in Ulm wie in jedem Jahr eine Feier zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht 1938 veranstalteten. Für jeden ermordeten jüdischen Mitbürger wurde eine Kerze entzündet. Als Davidstern leuchteten die 212 Kerzen zwischen Schwörhaus und Synagoge und waren so Gedenken für die damaligen Opfer und Mahnung zugleich. Denn Antisemitismus wird - oft versteckt hinter  Israelkritik - seit dem Gazakrieg im Sommer wieder hoffähig.  Darauf wies Martin Tränkle, Vorsitzender der DIG Ulm/Neu-Ulm, hin, rief die schlimmen Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 in Erinnerung zurück und machte deutlich, wie heute die Menschen in Israel durch die Islamisten von Hamas, Hisbollah und IS bedroht sind.
 
Die Anwesenden konnten dieses Gefühl der Bedrohung nachempfinden, als Schülerinnen des Schubart Gymnasiums ein Interview mit Fanny Englard vorlasen. Frau Englard wurde 1925 in Köln geboren und ist Überlebende der Schoa. Auf die Frage nach ihren persönlichen und schmerzhaftesten Erinnerungen an den Holocaust antwortet sie: "Der Holocaust ist keine Erinnerung in mir. Der Holocaust lebt mit mir weiter. Er lebt heute mit mir in der Gegenwart – ich denke neu, mit einer neuen Gefahr, ob wir wieder Opfer des Holocaust werden, durch den Judenhass der Hamas."
 
Diese Äußerungen stimmten traurig und sehr nachdenklich. Die Schülerinnen und Schüler verlasen die Namen der 212 ermordeten jüdischen Ulmer Bürger und umrahmten die Gedenkfeier mit wunderschönen Liedern und sogar einer eigenen Komposition des Musiklehrers speziell für diesen Tag. Zum Abschluss richtete Herr Rabbiner Trebnik noch einige Worte an das Publikum, die uns Mut machen sollten: im Gegensatz zu Tieren hätten wir Menschen immer die Wahl, uns - in Zukunft hoffentlich richtig - zu entscheiden. Dann sprach er das Kaddisch, das jüdische Totengebet.

      


 
 

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