13. November 2014: Alex Feuerherdt - Die unheimliche Popularität der "Israelkritik"

Seit einigen Jahren konnte die DIG Ulm/Neu-Ulm für den 9. November keine Zeitzeugen mehr finden, die nach der Gedenkveranstaltung über ihr Schicksal während des Holocaust und ihre Gefühle und Ängste heute berichteten. Unsere Wahrnehmung heute ist der wieder offen geäußerte Antisemitismus, der sich, wie der am 13. November referierende Alex Feuerherdt zeigte, hinter der "unheimlichen Popularität der Israelkritik" verbirgt. Feuerherdt, freier Journalist in Köln, wies zum Beispiel auf eine Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2003 hin, die ergab, dass 65 Prozent der Deutschen Israel für „die größte Gefahr für den Weltfrieden“ halten. Ein Jahr später meinten 51,2 Prozent in einer Erhebung: „Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.“ Im Sommer 2007 fand die BBC heraus, dass sich 77 Prozent der Deutschen eindeutig negativ gegenüber Israel positionieren - auf ähnlich hohe Werte kamen nur die Befragten im Libanon und in Ägypten - und dass derzeit 57,3 Prozent der Deutschen der Meinung sind, Israel führe „einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“. 
Erschreckend ist, dass sich diese Meinung nicht nur quer durch die deutsche Bevölkerung zieht, sondern im "Antisemitismusbericht des Bundestages" genauso wiederzufinden ist, wie bei Vertretern von Kirchen und Medien. Feuerherdt recherchierte zahllose Beispiele, von denen nur drei exemplarisch genannt werden sollen. So sagte der katholische Bischof Gregor Maria Hanke bei einem Israel-Besuch: „Morgens in Yad Vashem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto in Ramallah. Da geht einem der Deckel hoch.“ Wollen die Bischöfe die Situation der Menschen in den palästinensischen Gebieten wirklich mit der Situation der Juden im Ghetto vergleichen? Feuerherdt stellte die Frage, warum ein deutscher Bischof überhaupt beim Anblick des Leids der Palästinenser ausgerechnet vom Warschauer Ghetto spricht. Die Antwort scheint klar: es ist der Versuch zur Relativierung der unerträglichen Schuld, die in Deutschland auch zwei Generationen nach dem Holocaust noch immer empfunden wird.
Das vom Ökumenischen Rat der Kirchen verbreitete sogenannte Kairos-Palästina-Dokument geht noch weiter. Hier wird von palästinensischen Christen die Delegitimierung des Staates Israel betrieben und dessen Existenzrecht in Frage gestellt. Und der EKD unterstützt ausdrücklich das Dokument! Diese antisemitische Position - so der Referent -  hat man in kirchlichen Kontexten in Deutschland eigentlich nicht mehr für möglich gehalten.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele der Anwesenden entsprechende Erfahrungen gemacht hatten. Sehr negativ fällt dabei die Presse auf, die sich extrem israelkritisch - oder sollte man nach diesem Abend antisemitisch sagen, denn Feuerherdt wies auf einige Beispiele hin - positioniert. Für uns in Ulm ist festzustellen, dass die Südwest Presse Vorträge der DIG oft nicht ankündigt, ihnen fern bleibt und nicht, oder wie bei Ulrich Sahm einseitig bzw. falsch, berichtet. Trotzdem rief DIG-Vorsitzender Tränkle am Ende der Veranstaltung dazu auf, sich auch weiterhin gegen antisemitische Äußerungen zu wehren, im Freundeskreis, in den Gemeinden und mit Leserbriefen bei der Presse.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die Organisation der Veranstaltung und die so notwendige und klare Positionierung!
    F. E.

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