14. Juli 2014: Ulrich W. Sahm in Ulm




Knapp 200 Menschen waren um 19.30 Uhr ins jüdische Gemeindezentrum Ulm gekommen, um Ulrich Sahms Vortrag über die aktuelle Situation in Israel/Palästina zu hören, die er als Krieg bezeichnet.

Herr Sahm, der seit Mitte der 70iger Jahre in Jerusalem lebt und von dort als Nahostkorrespondent für verschiedene österreichische, Schweizer und deutsche Medien arbeitet, schaltete während seines Vortrags sein Handy nicht ab, aus Sorge um seine Familie in Israel und um ständig neueste Meldungen zu erhalten. So ist es verständlich, dass Sahm vor allem das Empfinden der Israelis ins Zentrum stellte, ihre Gefühle und Ängste bei der ständigen Bedrohung durch die Hamas, die auch vor der momentanen Eskalation nie aufhörte, Israel mit Raketen zu beschießen.

Schnell war klar, dass dies kein "normaler" Vortrag werden würde. Herr Sahm begann seine Ausführungen mit der Bemerkung, dass in Deutschland immer Fragen nach Lösungen im Vordergrund stünden, es aber seiner Meinung nach keine Lösungen gäbe. Dies führte er mit vielen Beispielen aus. Und er hielt den Vortrag informativ, kompetent und kurz, denn er wollte mit dem Publikum ins Gespräch kommen.
Gleich zu Beginn lud er das Publikum ein,  Fragen zu stellen, explizit auch kritische.
Und die kamen dann auch: Sahm habe die Situation einseitig dargestellt, Israel unterstütze den Siedlungsbau in Palästina, der Hauptursache des Konflikts sei... In seinen Antworten bestätigte Herr Sahm diejenigen, die die  israelische  Regierungspolitik befürworten. Er machte auch eindringlich deutlich, wie tief das Trauma des Holocaust alle Israelis bis heute beeinflusst. In jüdischen Familien aus Europa fehlt die (Ur)großelterngeneration fast vollständig. Dass sich ein Holocaust nie wiederholen kann - dafür sind fast alle Israelis bereit zu kämpfen. Und die Angst vor der Hamas hat ihre Wurzel im Holocaust, so Sahm.
Leider versäumte es  Herr Sahm aber, die anderen im Publikum ernst zu nehmen. Hier hätte man sich mehr Gelassenheit gewünscht, doch man spürte Sahms emotionale Aufgewühltheit als in Israel lebender Deutscher. Wer sich  eine Vision für eine gemeinsame Zukunft zwischen Israelis und Palästinensern erhofft hatte, wurde enttäuscht. Denn Herr Sahm fühlt sich als Realist und lebt seit vielen Jahren mit dem Nahostkonflikt. Als Erklärungsversuch zog er Vergleiche mit dem Fall der deutschen Mauer, die von außen herbeigeführt wurde, und der Tatsache, dass in Europa bis heute kein Friedensvertrag existiert, aber die Völker ohne Kriege zusammen leben. So, meinte er, könnte es auch in Israel/Palästina gelingen.  Doch den Begriff  "Frieden" verwendete Herr Sahm nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen