13. September 2013: Besuch des jüdischen Krumbach-Hürben

Unsere diesjährige DIG-Ausfahrt führte uns ins bayerische Krumbach, in dem die wenigsten von uns bisher jüdische Spuren vermutet hatten. Und doch war der Ortsteil Hürben in seiner Blütezeit zu 48 % jüdisch. Herbert Auer hat viel geforscht über das jüdische Leben in Hürben und auch zwei Bücher zum Thema herausgegeben. Er führte uns durch das Städtchen, und wir lernten Neues und Interessantes: Herr Auer erklärte uns z.B., dass die auffälligen Erker an vielen Hürbener Häusern darauf hindeuteten, dass sie einst von Juden gebaut wurden. Das Dach des Erkers konnte man damals öffnen, sodass die Mahlzeiten und Gebete am Laubhüttenfest  wie vorgeschrieben unter freiem Himmel stattfinden konnten. In Mitteleuropa ist es aber im September und Oktober oft schon kühl und regnerisch. Also konnte man das Dach bei Bedarf wieder schließen.

Interessant war auch die Geschichte des Hausierersohns Moses Samuel Landauer (1803-1893). Er verwirklichte nach seiner Lehre als Weber seinen Traum, Unternehmer zu werden. Beginnend mit einem Webstuhl im Keller seines ersten Häuschens beschäftigte er bald 300 Arbeiter, denen er - sehr sozial eingestellt - eine Betriebskrankenversicherung finanzierte. Auch im privaten Bereich engagierte er sich in vielen Vereinen und war 30 Jahre im Gemeinderat und 45 Jahre in der Verwaltung der jüdischen Gemeinde aktiv.
Wir schlossen unseren Stadtspaziergang mit einem Besuch des jüdischen Friedhofs ab, einer Oase in wunderschöner Umgebung und mit orthodoxen Grabsteinen neben modernen, auf denen kein Wort hebräisch geschrieben ist. 

Insgesamt war es ein schöner gemeinamer Nachmittag. Denjenigen, die unseren Ausflug verpasst haben, können wir einen Besuch von Krumbach-Hürben sehr empfehlen!

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