9. und 10. November 2012: Trauer um die Opfer - Brücke in die Zukunft

Wie in jedem Jahr fand am 9. November wieder eine Feier zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht 1938 statt. Für jeden ermordeten jüdischen Mitbürger wurde eine Kerze entzündet, von denen in diesem Jahr erstmals jede Kerze mit einem Namen versehen wurde. Martin Tränkle, Vorsitzender der DIG Ulm/Neu-Ulm, rief die schlimmen Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 in Erinnerung zurück und wies  auf den wieder erstarkenden Antisemitismus hin. Diesen Gedanken nahm Oberbürgermeister und Schirmherr Ivo Gönner auf. Doch er äußerte auch große Freude über die neue Ulmer Synagoge, die, gegenüber dem Schwörhaus auf historischer Stätte erbaut, am 2. Dezember feierlich eingeweiht wird. Zu dieser Einweihung hat die Stadt auch die noch lebenden ehemaligen jüdischen Ulmer Bürger geladen. Sie werden mit ihren Familien kommen und sehen, dass Juden in Ulm wieder eine Heimat haben. So bauen die 212 ermordeten Ulmer Juden symbolisch eine Brücke von der unvergessenen Vergangenheit über die Gegenwart in die Ulmer Zukunft, für die die Ulmer Synagoge eindrucksvoll aber auch mahnend entstanden ist.

In diesem Jahr umrahmten Schülerinnen und Schüler des Humboldt-Gymnasiums die Feierstunde. Es war schön zu sehen, wie viele Jugendliche einbezogen waren: ein großer Chor von 6.-Klässlern - hier hinter Martin Tränkle - sang bekannte israelische Lieder, die älteren verlasen die Namen der Opfer und berichteten über zwei Ulmer jüdische Ärzte, Dr. Ury und Dr. Moos. Sie verloren im 3. Reich ihre Approbation. Dr. Moos  wurde später in Grafeneck vergast, Dr. Ury verstarb in Ulm wegen fehlender medizinischer Hilfe. Ihnen und vielen anderen jüdischen Ärzten ist die Ausstellung im Schwörhaus gewidmet, die im Anschluss an die Feierstunde eröffnet wurde.

Die berühmte Berliner Kantorin Avitall Gerstetter sang ein Lied über die Konzentrationslager und sprach das Kaddish. Ganz herzlichen Dank dafür!

Frau Gerstetter war auch Teil der symbolischen Brücke, denn sie veranstaltete, von Herrn Maihöfer, dem 2. Vorsitzenden des Fördervereins organisiert, am 10. November im Haus der Begegnung ein Benefizkonzert für die neue Ulmer Synagoge. Viele Menschen waren gekommen, um Avitall Gerstetters wunderbar warme Stimme zu hören. Der 85-jährige Wolfgang Marcus schreibt darüber: "Das Konzert von Avitall und ihrer kleinen Truppe - dem Neubau der Ulmer Synagoge gewidmet - war für mich ein Glückserlebnis. Diese jungen, schönen, selbstbewussten jüdischen Frauen - Töchter der neugewonnenen Freiheit ihres Volkes - können unsere müde Konsumgesellschaft vitalisieren... Und wenn sich diese Vitalisierung mit Frömmigkeit verbindet, dann entsteht Glück!" Diesem Eindruck können wir uns nur anschließen.
 




Die Fotos aus dem Benefizkonzert stammen von Susanne Ro.

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